Taschen im Stil der frühen 2010er: Formen, Farben und Alltagstipps

Taschen im Stil der frühen 2010er: Formen, Farben und Alltagstipps

Zur dunklen Jeans, zum weißen Shirt und zum marineblauen Blazer greife ich gern zu einer cognacfarbenen Tasche mit kurzem Henkel. Der warme Ton fällt auf, die feste Form erinnert an Outfits der frühen 2010er. Trotzdem sieht der Look nicht aus, als käme er komplett aus einem anderen Jahrzehnt. Genau das mag ich daran: Die Tasche gibt schlichten Sachen eine Richtung, ohne dass alles dazu zeittypisch sein muss.

Zwischen 2012 und 2014 sah man häufig klar geformte Henkeltaschen, kleine Crossbody-Modelle und weiche Shopper. Wer diesen Stil heute aufgreifen möchte, muss keine Tasche aus genau diesen Jahren finden. Silhouette und Materialwirkung zählen mehr – und ob man das Stück im Alltag gern trägt.

Welche Taschenformen den Look prägen

Eine Tasche muss nicht zugleich für Uni, Einkauf und Abendessen taugen. Die drei Formen haben unterschiedliche Stärken; vielleicht passt schon eine davon zur eigenen Woche.

Die strukturierte Henkeltasche

Eine feste Henkeltasche mit rechteckigem oder leicht trapezförmigem Körper gibt lässigen Outfits etwas Gepflegtes. Kurze Griffe, sichtbare Nähte, ein Überschlag oder dezente Metallbeschläge wecken das frühe-2010er-Gefühl. Zu Röhrenjeans und lockerem Strick mag ich diesen Kontrast besonders. Mit gerader Jeans funktioniert er ebenso, wirkt nur etwas weniger typisch für die Zeit.

Im Alltag würde ich nach einem zusätzlichen Schulterriemen schauen. Der kurze Henkel sieht gut aus, kann beim Einkauf oder auf dem Weg zur Bahn aber lästig werden. Steht die Tasche unter dem Arm stark ab? Kommt man gut an den Inhalt, wenn man sie öffnet? Fürs Büro reicht ein mittelgroßes Modell, wenn Notizbuch, Brillenetui und die übrigen täglichen Dinge hineinpassen. Für einen Laptop braucht es meist ein Format, das ausdrücklich dafür geeignet ist.

Die kleine Crossbody-Tasche

Eine kompakte Umhängetasche lässt die Hände frei und bringt Farbe ins Outfit, ohne viel Platz einzunehmen. Abgerundete Ecken, ein schmaler Riemen und ein schlichtes Schloss oder eine sichtbare Schnalle passen gut zum Retro-Chic. Korallrot, Senfgelb und Kobaltblau erinnern an die kräftigeren Farbakzente jener Jahre; Bordeaux und Dunkelgrün sind zurückhaltender.

Bei kleinen Taschen ist die Innenaufteilung oft wichtiger als der erste Eindruck. Smartphone, Schlüssel und Karten sollten erreichbar sein, ohne dass man alles ausräumen muss. Auch die Riemenlänge macht etwas aus: Schwingt die Tasche beim Gehen stark an der Hüfte, trägt sie sich etwas höher oft angenehmer.

Der weiche Shopper

An Tagen mit Buch, Wasserflasche und zusätzlichem Pullover ist ein Shopper oft die entspanntere Wahl. Ein weiches Modell aus festem Textil, Leder oder Lederimitat passt zu Strick, Trenchcoat und flachen Schuhen. Den Retro-Ton geben ihm eher ein warmes Braun, ein schmaler Kontrastrand oder ein einfacher Verschluss mit leicht nostalgischer Note als die Größe allein.

Offene Shopper sind bequem, doch Schlüssel und Fahrkarte verschwinden darin schnell. Eine kleine Innentasche oder ein separates Etui hilft. Wer oft mit öffentlichen Verkehrsmitteln fährt, bevorzugt vielleicht einen Reißverschluss. Und wenn die Tasche schwer wird, ist ein breiterer Träger meist angenehmer als ein sehr schmaler Henkel.

Cognacfarbene Henkeltasche zu Jeans und dunklem Blazer

Farbe als Akzent statt als Pflicht zur Abstimmung

Frühe-2010er-Looks hatten oft einen gut sichtbaren Farbpunkt. Die Tasche muss dafür nicht exakt zu Schuhen, Gürtel und Schmuck passen. Mir reicht meist eine lose Verbindung: Eine rostrote Tasche kann einen Ton im gemusterten Schal aufgreifen, während Schuhe und Jacke neutral bleiben.

Bei der Farbwahl frage ich mich zuerst, ob die Tasche eher mitlaufen oder auffallen soll:

  • Warme Alltagstöne: Cognac, Kastanie und Dunkelbraun passen zu Denim, Marine, Creme und gedecktem Grün. Wie sichtbar Gebrauchsspuren sind, hängt von der Oberfläche ab; bei Vintage-Stücken können sie auch zum Charakter gehören.
  • Kühle Neutraltöne: Schwarz, Anthrazit und Dunkelblau vertragen sich gut mit grafischen Streifen und klar geschnittenen Blazern. Verschiedene Oberflächen bringen Abwechslung hinein, etwa glattes Material neben grobem Strick.
  • Kräftige Akzentfarben: Rot, Kobaltblau oder Senfgelb kommen vor ruhigen Flächen gut zur Geltung. Bei einer kleinen Tasche bleibt die Farbe ein Akzent.
  • Helle Töne: Creme und Taupe wirken zu Frühlingslagen und heller Jeans weich. Unterwegs sieht man an ihnen Abrieb und Flecken allerdings oft schneller.

Beschläge verändern die Wirkung ebenfalls. Goldfarbene Details geben braunen oder bordeauxroten Taschen oft Wärme, Silber wirkt an Schwarz und Blau meist kühler. Mischen darf man beides natürlich. Bei einer großen Schnalle oder einem auffälligen Kettenriemen würde ich nur überlegen, ob markanter Schmuck daneben noch nötig ist.

Drei Alltagssituationen, drei unterschiedliche Akzente

Für Uni oder einen langen Stadt-Tag

Zu Jeans, schlichtem Pullover und Übergangsjacke nehme ich einen weichen Shopper in Dunkelbraun. Er bietet Platz für zusätzliche Dinge, und die warme Farbe nimmt dem Outfit etwas von seiner Sachlichkeit. Sollen schwere Bücher oder ein Laptop mit, gehen passende Maße und Belastbarkeit vor. Ist die praktische Tasche ganz schlicht, kann ein kleiner farbiger Anhänger den Retro-Akzent setzen.

Für Arbeit und anschließenden Feierabend

Eine mittelgroße Henkeltasche in Bordeaux passt zu dunklem Blazer, hellem Hemd und Jeans, ohne nach reiner Abendtasche auszusehen. Auf dem Arbeitsweg ist der abnehmbare Schulterriemen nützlich; für den kurzen Weg zum Café reichen die Henkel. Ein sicher schließendes Fach für Kleinteile ist dabei wichtiger als zusätzlicher Schmuck an der Tasche. Mit wenigen Beschlägen lässt sich das Modell später auch zu Strickkleid oder weitem Mantel tragen.

Für einen freien Nachmittag

Gestreiftes Shirt, Cardigan, Jeans, flache Schuhe – dazu kann eine kleine Crossbody-Tasche in Korallrot den auffälligsten Part übernehmen. Sie muss nur groß genug für das sein, was wirklich mitkommt. Bleibt die Wasserflasche zu Hause, stört das kleine Format nicht. Für einen Tagesausflug würde ich eher den Shopper wählen.

Rote Umhängetasche als Farbakzent zum Streifenshirt

Proportionen und Tragehöhe machen den Unterschied

Eine Tasche steht nie für sich allein; Jackenlänge, Schnitt und Stoffmenge verändern ihre Wirkung. Neben einem kurzen, schmalen Blazer kann eine sehr große, steife Henkeltasche viel Raum einnehmen. Wer genau diesen Kontrast mag, lässt ihn stehen. Für eine ruhigere Linie wäre ein kleineres oder weicheres Modell meine Wahl. Zu einem langen Cardigan bringt eine strukturierte Tasche dagegen etwas Form.

Bei Crossbody-Taschen teste ich die Riemenlänge mit dem jeweiligen Outfit. Über einer dicken Jacke kann die Tasche richtig sitzen, über einem dünnen Shirt plötzlich zu tief hängen. Ein verstellbarer Riemen macht das leichter. Ein kurzer Gang durch die Wohnung zeigt oft mehr als der Spiegel: Schlägt die Tasche beim Gehen gegen die Hüfte?

Auch die Breite zählt. Ein schmales, hohes Modell trägt sich anders als ein breites, flaches, selbst wenn beide ähnlich viel fassen. Am besten probiert man die Tasche mit den üblichen Alltagsgegenständen darin aus. Leer wirken steife Modelle manchmal handlich und stehen gefüllt deutlich weiter ab.

Secondhand und Neukauf: Worauf sich ein genauer Blick lohnt

Für diesen Stil stöbere ich gern secondhand. Viele Taschen aus den frühen 2010ern haben die gesuchte Form schon, und ältere Stücke können ebenso passen. Eine nachweisbare Jahreszahl braucht es nicht. Wichtiger sind Zustand und Nutzen. Leder, Kunstleder und beschichtete Materialien zeigen Verschleiß an unterschiedlichen Stellen, deshalb schaue ich vor dem Kauf genauer hin.

  1. Henkel und Ansatzstellen prüfen: Dort lastet das Gewicht. Lockere Nähte, Risse und stark ausgedünnte Kanten sind Warnzeichen.
  2. Verschlüsse mehrfach betätigen: Reißverschluss, Druckknopf und Magnet sollten auch bei leicht gefüllter Tasche funktionieren.
  3. Innenfutter ansehen: Flecken, offene Nähte und hartnäckiger Geruch sind oft schwieriger zu beheben als leichter Abrieb außen.
  4. Bei Kunstleder auf die Oberfläche achten: Blättert die Beschichtung bereits ab, kann das auch an anderen Stellen passieren. Dauerhaft ausbessern lässt sich das nicht immer.
  5. Mit den eigenen Dingen Maß nehmen: Außenmaße verraten noch nicht, ob ein Buch durch die Öffnung passt.

Dieselben Fragen stelle ich mir bei einer neuen Tasche. Ein niedriger Preis hilft wenig, wenn sie unbequem sitzt oder nicht zuverlässig schließt. Umgekehrt braucht ein guter Alltagsfund keinen auffälligen Markennamen. Für den Retro-Effekt genügen oft Form, Farbe und ein Detail wie eine Schnalle.

Kleine Details, die den Charakter verändern

Ein schmales Tuch am Henkel erinnert an die Accessoire-Freude vieler Outfits von damals. Für einen ruhigeren Look ist es schnell wieder abgenommen. Ein Schlüsselanhänger oder eine einzelne farbige Quaste kann ähnlich funktionieren. Hat die Tasche schon ein großes Logo, einen Kettenriemen und ein glänzendes Schloss, würde ich zusätzliche Anhänger eher weglassen.

Eine neutrale Alltagstasche und eine kleinere Farbvariante ergeben eine unkomplizierte Rotation. Zwei Taschen braucht es dafür aber nicht unbedingt: Eine mittelgroße Crossbody-Tasche in Cognac oder Bordeaux lässt sich zu Jeans, Blazer und Strick tragen. Vor dem nächsten Secondhand-Bummel würde ich mir die praktischen Mindestanforderungen ins Handy schreiben: Wie breit muss die Öffnung sein? Soll der Riemen verstellbar sein? Brauche ich ein sicher schließendes Innenfach? Mit dieser Notiz fällt die Entscheidung am Regal leichter als allein nach Farbe.