Schmale Hose, schlichtes Oberteil, auffällige Tasche: An Olivia Palermos Looks aus den frühen 2010ern lässt sich etwas abschauen, ohne ein einziges Designerstück zu kaufen. Die ruhigen Teile geben der Tasche Platz. Wer das Prinzip erkennt, kann es mit dem eigenen Kleiderschrank ausprobieren, statt ein Foto nachzustellen.
Zwischen 2012 und 2014 gab es ohnehin nicht das eine Stilvorbild. Neben sorgfältig abgestimmten Streetstyle-Looks standen unkomplizierte Outfits von Schauspielerinnen und Musikstars, die mit Gegensätzen spielten. Dabei lohnt ein zweiter Blick: Ein Festival-Look muss keinen Regentag in Hamburg überstehen, und was vor einer Fashion-Show gut aussieht, ist nicht automatisch für acht Stunden im Büro gedacht. Interessant wird es, wenn aus einem Foto eine Idee für den eigenen Tag wird.
Was ein Stilvorbild nützlicher macht als eine Kopiervorlage
Bei einem alten Streetstyle-Foto frage ich mich: Was ist die Basis? Wo liegt der Kontrast? Welches Detail bleibt hängen? Manchmal ist die Antwort ziemlich schlicht. Spitze flache Schuhe machen Jeans und dunklen Pullover etwas eleganter; gekrempelte Ärmel nehmen einem ordentlichen Hemd die Strenge. Farbe, Passform und Budget dürfen sich dabei vom Original unterscheiden.
Sehr enge Jeans, hohe Absätze und mehrere auffällige Accessoires gehören zu vielen Bildern aus dieser Zeit. Mitmachen muss man da nicht. Eine gerade Jeans kann dieselbe ruhige Basis bilden wie die damals oft gezeigte schmale Hose. Wichtiger als die genaue Silhouette ist häufig das Spiel zwischen lässig und angezogen.
Olivia Palermo: gepflegt, aber nicht steif
Olivia Palermo wurde in den frühen 2010ern oft in sorgfältig abgestimmten Streetstyle-Outfits fotografiert. Spannend ist weniger ein einzelnes Stück als die Mischung: klassischer Blazer zu Jeans, feines Oberteil zu festeren Schuhen oder eine strukturierte Tasche zum entspannten Tageslook. Bei Mustern und Farben taucht ein Ton oft an anderer Stelle noch einmal auf.
Für den Alltag: dunkle Jeans, weißes Hemd, marineblauer Blazer. Ein gemustertes Tuch kann Blau oder Weiß aufgreifen; dazu gehen Loafer oder schlichte Stiefeletten. Auf dem Weg zur Arbeit kann das Tuch an der Tasche bleiben, wenn es um den Hals zu viel ist. Am freien Nachmittag sitzt der Blazer offen über einem T-Shirt. Es geht nicht um ein makelloses Outfit, sondern darum, etwas Ordentliches mit etwas Alltäglichem zu verbinden.

Alexa Chung: zwischen Vintage und Alltag
Bei Alexa Chung sah es oft so aus, als kämen die Teile aus unterschiedlichen Saisons: kurze Jacken, Kragen, schlichte Kleider, Denim und flache Schuhe. Gerade das macht die Looks interessant. Ein verspieltes Detail bekommt etwas Sachliches an die Seite. Ein klein gemustertes Kleid wirkt mit Jeansjacke weniger kostümiert; ein Hemdkragen unter einem lockeren Pullover wird zum beiläufigen Hingucker.
Für Uni oder Café könnte das ein gestreiftes Oberteil mit gerader Jeans, kurzem Cardigan und flachen Schnürschuhen sein. Kein nachgebautes Foto, aber derselbe Wechsel zwischen schlicht und leicht nostalgisch. Bei Kleidern entscheidet der Tagesablauf mit: Wer Rad fährt oder viel zwischen Vorlesungen unterwegs ist, greift vielleicht lieber zu blickdichter Strumpfhose und flachen Boots.
Das Detail statt des kompletten Retro-Looks
Oft reicht schon ein sichtbarer Hemdkragen, eine kleine Umhängetasche oder ein kurzer Mantel über Jeans. Häufen sich die Vintage-Anklänge, kann der Look schnell kostümiert wirken – sofern genau das nicht gewollt ist. Ein schlichtes T-Shirt oder bequem sitzende Jeans geben dem einzelnen Detail mehr Raum. Und wer es verspielt mag, darf die Anklänge natürlich kombinieren.
Solange Knowles: Farbe als bewusste Entscheidung
Solange Knowles zeigte in den 2010ern immer wieder, was Farben, Muster und Proportionen aus einem Outfit machen können. Dafür braucht es nicht gleich mehrere Prints. Eine senfgelbe Bluse zu dunkelblauer Jeans, braunen Schuhen und schlichter Tasche bringt schon Farbe in eine vertraute Kombination.
Wenn du Muster mischen möchtest, suche zunächst nach einer gemeinsamen Farbe: Streifenshirt und gemustertes Tuch finden leichter zusammen, wenn beide etwa Dunkelblau enthalten. Unterschiedlich große Muster konkurrieren weniger miteinander. Bei zurückhaltender Kleiderordnung im Büro bleibt es vielleicht beim Tuch; am Wochenende kann eine weit geschnittene gemusterte Hose die Hauptrolle übernehmen.
Rihanna: Gegensätze statt festgelegter Stilformel
Rihannas Outfits wechselten schon in den frühen 2010ern zwischen lässig, sportlich und glamourös. Eine feste Uniform lässt sich daraus kaum ableiten, wohl aber ein guter Stilbruch: Jeansjacke über einem eleganteren Kleid, grobe Boots zum feinen Rock oder eine auffällige Jacke über einfachen Basics.
Zum Ausprobieren reichen schwarze Hose und schwarzes Shirt. Darüber kommt entweder eine farbige Bomberjacke oder eine Jacke mit markanter Struktur. Sneakers passen zu einem langen Tag zu Fuß, Stiefeletten eher zum Abend. Deutlicher wird der Gegensatz mit fließendem Midirock, einfachem Pullover und festen Schuhen. Der Reiz liegt darin, dass beide Seiten sichtbar bleiben: Das Elegante verschwindet nicht, und das Lässige wird nicht wegdekoriert.

Kate Middleton: klare Linien für formellere Tage
Kate Middletons öffentliche Auftritte waren Anfang der 2010er deutlich formeller: klare Farben, erkennbare Silhouetten und zurückhaltende Kombinationen. Ein Outfit für einen offiziellen Anlass lässt sich nicht eins zu eins in den Alltag holen. Was gut funktioniert, ist die Zurückhaltung bei den Details – ein schlichtes Kleid oder ein einfarbiger Zweiteiler darf für sich wirken.
Für eine Familienfeier oder einen Bürotag mit Termin könnte das ein dunkelblaues Kleid mit Cardigan und flachen Schuhen sein. Kleine Tasche, unaufdringlicher Gürtel, fertig. Wer keine Kleider trägt, kann Stoffhose und feinen Pullover mit einem ungemusterten Mantel kombinieren. Hohe Absätze braucht es für die ruhige Wirkung nicht.
So findest du aus mehreren Vorbildern deinen eigenen Look
Vielleicht gefallen dir Palermos abgestimmte Accessoires, aber Chungs flache Schuhe und Solanges Farben passen besser zu deinem Alltag. Die Ideen lassen sich mischen, wenn nicht jedes Teil um Aufmerksamkeit bittet: Ein farbiges Oberteil setzt den Akzent, Jeans und Schuhe halten sich zurück, die Tasche greift einen vorhandenen Ton auf.
Wenn du vor dem Schrank stehst, hilft diese Reihenfolge:
- Wähle eine konkrete Idee. Zum Beispiel „feines Teil zu festem Schuh“ oder „eine Farbe wiederholen“ – nicht gleich den ganzen Look einer Person.
- Lege eine bequeme Basis fest. Jeans, Stoffhose, Kleid oder Rock müssen zu Wetter und Wegen passen.
- Setze einen sichtbaren Schwerpunkt. Eine Jacke, ein Muster oder eine Tasche genügt. Die übrigen Details können leiser sein.
- Prüfe das Outfit in Bewegung. Jacke schließen, Tasche tragen, ein paar Schritte gehen: So merkst du, ob es auch außerhalb des Spiegels funktioniert.
Alte Fotos erzählen nur einen Ausschnitt. Bei einem Look von 2013 weiß man selten, ob er für einen kurzen Auftritt oder einen ganzen Tag gedacht war. Ein Mantel liegt fürs Foto vielleicht nur über den Schultern, eine Tasche wird kurz in der Hand gehalten. Im eigenen Alltag sind verschließbare Jacken und genug Stauraum oft wichtiger als die Pose.
Eine kleine Auswahl statt eines neuen Kleiderschranks
Um verschiedene Einflüsse zu testen, brauchst du keine fünf neuen Outfits. Nimm zwei oder drei Basisstücke, die du ohnehin regelmäßig trägst – etwa Jeans, ein schlichtes Kleid und einen Pullover – und probiere zu jedem ein auffälligeres Element. Zur Jeans ein gemustertes Tuch, zum Kleid eine Jeansjacke, zum Pullover eine farbige Hose. Dabei merkst du, was sich auch an einem gewöhnlichen Tag nach dir anfühlt und was nur auf dem Foto gefällt.
Fehlt tatsächlich ein Teil, benenne vor dem Kauf seinen Zweck. „Eine Tasche wie bei Olivia Palermo“ hilft wenig bei der Suche. „Eine mittelgroße Tasche mit Schulterriemen, in die Notizbuch und Wasserflasche passen“ schon eher. Bei Schuhen mögen die Form und der Streetstyle-Bezug gefallen; Sohle, Wetter und Laufstrecke entscheiden mit, ob du sie trägst. Markante Jacken oder Taschen lassen sich auch secondhand ausprobieren. Schau dabei lieber auf Maße und Zustand als auf das berühmte Vorbild.
Drei Stilideen für eine normale Woche
- Montag, Termin und Arbeitsweg: Dunkle gerade Jeans, weißes Hemd, Blazer und flache Loafer mischen lässig und ordentlich. Ein farbiges Tuch setzt den einzigen Akzent.
- Mittwoch, Uni oder Stadtbummel: Gestreiftes Shirt, kurzer Cardigan, Jeans und Schnürschuhe erinnern an Chungs unkomplizierten Vintage-Anklang. Die kleine Umhängetasche lässt die Hände frei.
- Samstag, Ausstellung und Abendessen: Schwarzer Midirock, schlichter Pullover, feste Boots und eine farbige Jacke verbinden Rihannas Stilbruch mit Solanges Freude an kräftigen Tönen.
Für morgen musst du trotzdem nichts neu zusammenstellen. Leg zu Jeans und Oberteil, die schon bereitliegen, abends zwei mögliche Akzente – etwa das gemusterte Tuch und die farbige Jacke. Morgens entscheidest du nach Wetter und Tagesplan, welcher davon mitkommt.
